Probleme · Sicherheit, Backup & Datenschutz
Welche IT-Sicherheit verlangt eine Cyberversicherung?
Kurz gesagt
Versicherer fragen vor dem Abschluss häufig nach Mehrfaktorauthentifizierung, aktuellen Systemen, Sicherungen und einem Notfallplan. Beantworte den Fragebogen nach dem heutigen Betrieb, nicht nach dem Wunschbild, und halte Nachweise bereit: MFA-Übersicht, Update-Berichte, Wiederherstellungstests. Ob eine Leistung besteht, hängt immer vom einzelnen Vertrag und seinen Obliegenheiten ab.
Für wen das gilt
Für KMU, die eine Cyberversicherung abschliessen oder verlängern wollen. Dieser Beitrag gibt technische Orientierung, keine Rechts- oder Versicherungsberatung.
Was Versicherer häufig fragen
| Thema | Typische Frage | Passender Nachweis |
|---|---|---|
| Mehrfaktorauthentifizierung | Ist MFA für alle Konten und Fernzugänge aktiv? | Konfigurationsübersicht MFA und Adminkonten |
| Aktuelle Systeme | Werden Updates verbindlich eingespielt? | Update-Berichte, dokumentierte Ausnahmen |
| Sicherungen | Sind Backups getrennt und getestet? | Protokolle von Wiederherstellungstests |
| Notfallplan | Gibt es einen geübten Ablauf? | Protokolle von Übungen |
Aus der Praxis
Der Antrag deckt oft Lücken auf. Einstellungen sind vorgesehen, aber nicht konsequent umgesetzt oder dokumentiert. Zwei typische Beispiele:
- MFA ist für die Geschäftsleitung aktiv, aber nicht für den Fernzugriff eines Dienstleisters.
- Backups laufen täglich, eine Wiederherstellung wurde aber nie getestet.
Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist hilfreicher als eine optimistische Antwort im Fragebogen. Sie schützt vor Überraschungen und liefert dir gleichzeitig eine sinnvolle Prioritätenliste für die nächsten Monate.
Wiederherstellung und Meldeweg vorbereiten
Sicherungen sollten getrennt, auf Wiederherstellbarkeit geprüft und nach Priorität geplant sein. Für einen Betrieb mit vielen laufenden Aufträgen kann das ERP-System oder die Projektablage wichtiger sein als ein nachgelagertes Archiv. Ein Test zeigt auch, ob Bandbreite, Zugangsdaten und Fachwissen reichen, um die Daten im Ernstfall zurückzuholen. Die Regel 3-2-1-1-0 hilft, diese Prüfung zu strukturieren.
Halte fest, wer Systeme isolieren darf, wer die Geschäftsleitung informiert und wo Kontaktdaten liegen, wenn E-Mail oder Telefonie betroffen sind. Eine gedruckte Liste oder ein extern hinterlegter Ablauf ist dann nützlicher als ein Dokument im nicht erreichbaren SharePoint.
Ehrlich gesagt: wann es sich nicht lohnt
Eine Versicherung ersetzt keine Vorsorge. Wer den Fragebogen schönt, riskiert, dass Angaben und Alltag auseinanderfallen. Und die Massnahmen lohnen sich unabhängig davon, ob du überhaupt versicherst: Sie senken das Risiko auch ohne Schadenfall.
So gehst du vor
- Zuerst: Identitäten, E-Mail, Fernzugriff, Updates und Sicherungen.
- Danach: Rechte, Endgeräteschutz, Protokollierung und Lieferantenzugänge.
- Dienstleisterzugänge regeln: persönliche, zeitlich begrenzte Konten mit MFA statt gemeinsamer Dauerzugänge.
- Ausnahmen notieren: mit verantwortlicher Person und Ablaufdatum.
- Nachweise sammeln: Übersichten, Berichte, Testprotokolle.
- Periodisch prüfen: Angaben nach Änderungen im Betrieb aktualisieren.
Den vollständigen Rahmen findest du in Welche Massnahmen schützen ein KMU vor Cyberangriffen?. Mehr unter Sicherheit, Backup & Datenschutz, unsere Festpreise auf der Preisseite.
Häufige Fragen
Was deckt eine Cyberversicherung ab?
Je nach Vertrag zum Beispiel Kosten für Forensik, Wiederherstellung oder Betriebsunterbruch. Ob eine Leistung besteht, hängt vom Vertrag, den Obliegenheiten und dem Ereignis ab. Vertragsdetails klärst du mit dem Versicherer oder geeigneten Fachpersonen.
Welche Nachweise eignen sich für den Fragebogen?
Konfigurationsübersichten für MFA und Administrationskonten, Update-Berichte mit dokumentierten Ausnahmen sowie Protokolle von Wiederherstellungstests und Übungen.
Wie oft sollte ich die Angaben prüfen?
Periodisch. Ein neuer Fernzugang, eine Firmenübernahme oder ein unverwaltetes Gerät kann die Ausgangslage verändern. Ein Fragebogen kann nach einigen Monaten überholt sein, obwohl sich am Vertrag nichts geändert hat.
Lohnt sich die Vorsorge auch ohne Versicherung?
Ja. Geregelte Identitäten, E-Mail, Fernzugriff, Updates und Sicherungen senken das Risiko unabhängig davon, ob später ein Versicherungsfall eintritt.