Probleme · Sicherheit, Backup & Datenschutz
Was bedeutet die Backup-Regel 3-2-1-1-0?
Kurz gesagt
Die Regel 3-2-1-1-0 beschreibt fünf Eigenschaften eines überprüfbaren Backups: drei Kopien deiner Daten, zwei verschiedene Speicherarten, eine Kopie ausser Haus, eine unveränderbare oder getrennte Kopie und null ungeprüfte Fehler. Sie ist kein Produkt und kein Zertifikat, sondern eine Entscheidungshilfe. Vertrauen verdient eine Sicherung erst, wenn die Wiederherstellung getestet wurde.
Für wen das gilt
Für jeden Betrieb, der mit gemeinsamen Daten arbeitet: Projektordner, Offerten, Pläne, Buchhaltung, E-Mails. Besonders dann, wenn du heute nicht sicher sagen kannst, ob und wie schnell eine Sicherung im Ernstfall wirklich zurückkommt.
Die Regel hilft dir bei drei Entscheidungen:
- Welche Daten müssen nach einem Ausfall zuerst wieder verfügbar sein?
- Wie viel Arbeit darf höchstens verloren gehen?
- Wer entscheidet, wenn E-Mail oder Netzwerk nicht mehr funktionieren?
Die fünf Teile der Regel
| Ziffer | Bedeutung | Wovor sie schützt |
|---|---|---|
| 3 | drei Kopien der Daten (die Produktionsdaten zählen mit) | Ausfall einer einzelnen Kopie |
| 2 | zwei unterschiedliche Speicherarten | Fehler, die eine ganze Speicherart treffen |
| 1 | eine Kopie extern, räumlich und organisatorisch getrennt | Brand, Wasserschaden, Diebstahl am Standort |
| 1 | eine unveränderbare oder vom Netz getrennte Kopie | Löschen oder Verschlüsseln nach einem Kontoangriff |
| 0 | null ungeprüfte Fehler: Wiederherstellung getestet | Sicherungen, die im Ernstfall nicht lesbar sind |
Kopien müssen unabhängig voneinander sein
Original und Sicherung im selben Serverraum schützen nicht vor allen Risiken. Ein lokales Backup verkürzt die Wiederherstellung im Alltag. Ein getrenntes externes Ziel begrenzt die Folgen eines Schadens am Standort. Getrennte Administrationskonten erschweren es einem Angreifer, Sicherungen zu löschen.
Prüfe auch, welche Zugänge dein IT-Partner oder eine Fachperson im Betrieb hat. Verwaltet ein einziges Administrationskonto Produktivsystem, Backup-Software und externes Speicherziel, kann ein kompromittiertes Konto alle Schutzlinien treffen.
Die zweite Eins und die Null machen den Unterschied
Die zweite Eins ist eine unveränderbare oder getrennte Kopie. Eine lange Aufbewahrung nützt aber nichts, wenn im Ernstfall die Zugangsdaten fehlen.
Die Null heisst: geprüft fehlerfrei. Ein erfolgreich beendeter Sicherungsauftrag beweist nicht, dass die Daten lesbar sind oder eine Anwendung nach der Rücksicherung startet. Lege deshalb für kritische Daten zwei Werte fest:
- RPO (Recovery Point Objective): wie viel Datenverlust, gemessen in Zeit, akzeptabel ist.
- RTO (Recovery Time Objective): wie lange die Wiederherstellung dauern darf.
Für die Buchhaltung gelten andere Werte als für eine Installationsdatei, die du jederzeit neu herunterladen kannst.
Aus der Praxis
Der typische Ernstfall beginnt am Montagmorgen: Der Projektordner, auf den mehrere Personen zugreifen, fehlt. Vielleicht wurde er versehentlich gelöscht, vielleicht hat ein Angriff die Dateien verschlüsselt. In einer Schreinerei fehlen dann Pläne und Offerten, in einem Dienstleistungsbetrieb die laufenden Kundenunterlagen. Erst in diesem Moment zeigt sich, ob die Sicherung hilft.
Unsere Erfahrung: Ein erster Wiederherstellungstest für den wichtigsten Projektordner schafft mehr Klarheit als ein umfangreiches Konzept, das nie erprobt wird.
Ehrlich gesagt: wann es sich nicht lohnt
Die Regel ist kein Selbstzweck. Eine unveränderbare Kopie mit langer Aufbewahrung bringt wenig, wenn niemand weiss, wie man an sie herankommt. Und nicht jede Datei braucht dasselbe Schutzniveau: Was sich leicht neu beschaffen lässt, muss nicht gleich behandelt werden wie Buchhaltung oder Kundendaten. Mehr Kopien bedeuten auch mehr Kosten und mehr Betriebsaufwand. Was das konkret heisst, steht in Was kostet ein Backup fürs KMU?.
So gehst du vor
- Daten priorisieren: Beginne bei den Daten, ohne die Aufträge, Termine oder Abrechnungen stillstehen.
- Ziele festlegen: Ordne jedem Datenbereich eine verantwortliche Person, RPO und RTO zu.
- Kopien zuordnen: Lege fest, welche Kopie lokal, welche extern und welche unveränderbar liegt, und trenne die Administrationskonten.
- Microsoft 365 mitdenken: Kläre, welche Daten aus welchem Stand zurückkommen, wenn eine Bibliothek oder ein Konto betroffen ist. Mehr dazu in Brauche ich ein Backup für Microsoft 365?.
- Wiederherstellung testen: Stelle nicht nur eine einzelne Datei wieder her, sondern prüfe auch, ob eine wichtige Anwendung mit Datenbank, Berechtigungen und Abhängigkeiten wieder anläuft. Notiere Dauer, Abweichungen und offene Punkte.
- Notfallablauf schreiben: Wer trennt Systeme vom Netz? Wo liegen Kontakte und Zugangsinformationen, wenn die Anmeldung selbst betroffen ist? Wer priorisiert die Wiederherstellung?
Mehr zum Thema findest du in der Übersicht Sicherheit, Backup & Datenschutz. Was ein Backup-Konzept mit BITS kostet, steht auf der Preisseite.
Häufige Fragen
Zählen die Originaldaten schon als eine der drei Kopien?
Ja. Die Produktionsdaten sind die erste Kopie. Dazu kommen eine lokale Sicherung für schnelle Wiederherstellungen im Alltag und eine weitere Kopie, die räumlich und organisatorisch getrennt liegt.
Reichen zwei Partitionen auf demselben Server als Trennung?
Nein. Zwei Partitionen auf demselben Server sind keine echte Trennung. Brand, Wasserschaden, Diebstahl oder ein Angriff treffen dann Original und Sicherung gleichzeitig.
Was ist eine unveränderbare Kopie?
Eine unveränderbare Kopie (Immutable) kann innerhalb einer festgelegten Frist weder verändert noch gelöscht werden. Sie schützt Sicherungen, wenn ein Administrationskonto angegriffen wird. Sinnvoll ist sie nur, wenn Aufbewahrungsdauer, Zugriffskonten und der Weg zur Wiederherstellung geklärt sind.
Genügen Papierkorb und Versionierung in Microsoft 365?
Für kleine Fehler helfen sie. Ein eigenständiges Wiederherstellungskonzept ersetzen sie nicht zwingend, etwa wenn jemand eine ganze SharePoint-Bibliothek löscht oder ein Konto betroffen ist.