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Cloud-Telefonanlage: Mit welchen Kosten müssen KMU rechnen?

Die Kosten einer Cloud-Telefonanlage entstehen aus Einrichtung, Lizenzen, Endgeräten, Verbindung und laufendem Betrieb. Mit einer vollständigen Kostenformel vergleichen Schweizer KMU Angebote.

Marc Bühler
Marc Bühler
Gründer und Geschäftsführer, Bühler IT Solutions GmbH

Was kostet eine Cloud-Telefonanlage für ein KMU?

Die direkte Antwort: Die Gesamtkosten setzen sich aus der einmaligen Einführung, wiederkehrenden Gebühren, Geräten und Netzwerk sowie dem laufenden Betrieb zusammen. Ein seriöser Vergleich ist deshalb ohne Angaben zu Mitarbeitenden, gleichzeitigen Gesprächen, Standorten, Rufnummern und gewünschten Funktionen nicht möglich. Ein tiefer Preis pro Konto sagt noch wenig über die betriebsbereite Lösung aus.

Für eine erste Budgetierung können Sie mit dieser Formel arbeiten:

Gesamtkosten über die Betrachtungsdauer = Einführung + Geräte und Infrastruktur + wiederkehrende Gebühren + interner Betriebsaufwand + geplante Änderungen

Setzen Sie für jeden Bestandteil die Werte aus konkreten Angeboten ein. Rechnen Sie alle Varianten über denselben Zeitraum und mit denselben Anforderungen. So vergleichen Sie nicht eine Lizenz mit einer vollständig eingerichteten Telefonie.

Welche Positionen gehören in ein Telefonieangebot?

Bei einer Cloud-Telefonanlage werden zentrale Funktionen typischerweise in der Infrastruktur des Anbieters betrieben. Wie Lizenzen, Rufnummern, Sprachkanäle, Gesprächsminuten und Zusatzfunktionen verrechnet werden, hängt jedoch vom Anbieter und gewählten Tarif ab. Die folgenden Positionen sollten entweder beziffert oder ausdrücklich als nicht enthalten ausgewiesen sein:

  • Aufnahme von Anrufwegen, Öffnungszeiten, Rufgruppen und Vertretungen
  • Projektleitung, Einrichtung, Tests, Schulung und Dokumentation
  • Portierung bestehender Rufnummern und allfälliger Parallelbetrieb
  • Lizenzen für Nutzende, Rufnummern, Sprachkanäle oder Zusatzfunktionen
  • Gesprächsgebühren für die relevanten Zielnetze und Länder
  • Tischtelefone, Headsets, Funktelefone und Konferenzgeräte
  • Netzwerk, Internetanbindung und bei Bedarf eine unterbrechungsfreie Stromversorgung
  • Betreuung, Änderungen, Störungsbehebung und Hersteller-Support

Manche Tarife orientieren sich vor allem an Nutzenden, andere können gleichzeitige Gespräche, Funktionspakete oder nutzungsabhängige Gebühren stärker gewichten. Fragen Sie deshalb nicht nur nach dem Monatsbetrag, sondern auch danach, was bei einem Eintritt, einem zusätzlichen Standort oder einer neuen Rufgruppe geschieht. Die Seite Telefonie und VoIP zeigt, welche organisatorischen und technischen Themen zusammengehören.

Der Einführungsaufwand folgt den Anrufwegen

Eine kleine Firma mit einer Hauptnummer und klaren Bürozeiten ist anders zu planen als ein Betrieb mit mehreren Standorten, Empfang, Pikett, Türsprechstelle und vielen direkten Rufnummern. Auch die Qualität der vorhandenen Dokumentation wirkt sich aus: Sind Rufnummern und Weiterleitungen unbekannt, muss die Ausgangslage zuerst rekonstruiert werden.

Zur Einführung gehören ein Rufkonzept, die Konfiguration, die Portierung, Tests und die Übergabe an interne Verantwortliche. Bei Funktelefonie können zusätzlich eine Gebäudebegehung und eine Planung der Funkabdeckung nötig sein. DECT steht für Digital Enhanced Cordless Telecommunications und bezeichnet einen verbreiteten Standard für schnurlose Telefonie. Das Kundenprojekt Telefonie für zwei Standorte und einen neuen Anbau illustriert, wie Gebäude, Arbeitswege, DECT-Funk und Netzwerk in einer konkreten Fachplanung zusammen betrachtet wurden. Der Aufwand eines anderen Betriebs lässt sich daraus nicht ableiten.

Laufende Gebühren mit dem internen Aufwand verbinden

Wiederkehrende Kosten können je nach Tarif mit Nutzenden, Geräten, Nummern, Sprachkanälen oder Zusatzfunktionen wachsen. Hinzukommen können Internetanschluss, Gesprächsgebühren und Betreuung. Funktionen wie Aufzeichnung, Warteschlangen, Auswertungen oder die Einbindung in eine Zusammenarbeitsplattform sind je nach Anbieter bereits enthalten, nur in bestimmten Paketen verfügbar oder separat zu lizenzieren. Klären Sie vor dem Vertrag, welche Funktionen tatsächlich gebraucht werden.

Auch interne Arbeit ist ein Kostenfaktor. Jemand muss Eintritte, Austritte, Öffnungszeiten, Ansagen und Berechtigungen pflegen. Ob Ihr Team solche Änderungen selbst ausführen kann, hängt von Lösung, Rechten und vereinbartem Betriebsmodell ab. Im Projekt der Gemeinde Oberwil bei Büren war diese Selbstverwaltung eine konkrete Anforderung. Der Beitrag Telefonie für Gemeinden: Öffnungszeiten und Vertretungen vertieft die organisatorische Planung. Für Gemeinden können wechselnde Öffnungs- und Ferienzeiten ebenso wichtig sein wie die Gesprächsfunktion.

Beispiel: Zwei Angebote für 18 Nutzende vergleichen

Illustratives Rechenbeispiel: Ein KMU plant für 18 Nutzende, zwei Standorte, eine Hauptnummer, mehrere direkte Rufnummern und drei gleichzeitig geführte Gespräche. Ein Teil des Teams nutzt Headsets, der Empfang ein Tischtelefon. Die Firma vergleicht die Lösungen über 36 Monate.

Die Rechnung enthält einmalige Analyse, Einrichtung, Portierung und Schulung, die benötigten Endgeräte und Netzwerkergänzungen sowie 36 Monatswerte für Lizenzen, Sprachkanäle, Gesprächskosten und Betreuung. Hinzu kommt ein intern geschätzter Aufwand für Benutzeränderungen. Die Mengen dienen nur dazu, die Methode zu zeigen. Für die Entscheidung werden ausschliesslich die offerierten Tarife und die eigenen Mengen eingesetzt.

Daneben wird eine Veränderung durchgerechnet: Was lösen fünf zusätzliche Nutzende oder ein neuer Standort beim jeweiligen Tarif aus? Wie wird bei einer Störung umgeleitet, und sind Ersatzgeräte verfügbar? Damit wird aus dem Lizenzvergleich eine Betrachtung der tatsächlichen Betriebskosten.

Internet, Strom und Ausfallweg mitrechnen

Cloud-Telefonie benötigt eine funktionierende Verbindung zur Anbieterplattform. Welche Funktionen bei einem Unterbruch verfügbar bleiben, ist lösungs- und anbieterabhängig. Prüfen Sie mögliche Mobilfunkumleitungen, eine Ersatzverbindung, die Stromversorgung der Netzwerkgeräte und die Zuständigkeit bei einer Störung. Der Beitrag VoIP-Telefonie bei Internetausfall hilft, diese Fragen konkret zu testen.

Cloud ist zudem nicht automatisch die passende Betriebsform. Der Vergleich Telefonanlage in der Cloud oder vor Ort ordnet bestehende Integrationen, lokale Systeme und Betriebsverantwortung ein.

Wo Cloud-Telefonie Nachteile hat oder nicht passt

Eine Cloud-Lösung bringt Abhängigkeiten von Anbieter, Verbindung und Vertragsmodell mit sich. Tarifänderungen oder ein Anbieterwechsel können mehrere Komponenten gleichzeitig betreffen. Spezielle Tür-, Alarm- oder Produktionssysteme lassen sich möglicherweise nur mit Zusatzkomponenten integrieren. Auch Aufzeichnung und Auswertung benötigen klare rechtliche und organisatorische Regeln.

Nicht geeignet ist eine Standardlösung, wenn zwingende lokale Integrationen ungeprüft bleiben, keine tragfähige Verbindung verfügbar ist oder niemand den Betrieb verantwortet. In solchen Fällen kann eine lokale oder gemischte Lösung sinnvoller sein. Halten Sie zudem Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist, Exportmöglichkeiten und die Rückgabe portierter Rufnummern fest. Die richtige Budgetfrage lautet nicht: Was kostet die günstigste Lizenz? Sondern: Was kostet eine Telefonie, die Ihre Anrufwege im normalen Betrieb und beim Ausfall unterstützt?