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Was kostet Prozessautomatisierung im KMU?

Die Kosten einer Prozessautomatisierung entstehen aus Analyse, Umsetzung, Lizenzen, Tests, Einführung und Betrieb. Eine praktische Formel hilft KMU, sinnvolle Abläufe zu priorisieren.

Marc Bühler
Marc Bühler
Gründer und Geschäftsführer, Bühler IT Solutions GmbH

Die kurze Antwort: Kalkulieren Sie den ganzen Lebenszyklus

Die Kosten einer Prozessautomatisierung entstehen nicht nur beim Bau eines Workflows. Sie umfassen Prozessaufnahme, Konzeption, technische Umsetzung, Lizenzen, Tests, Einführung und laufenden Betrieb. Ein klarer Ablauf mit wenigen Rollen und Standardschnittstellen benötigt meist weniger Aufwand als ein Prozess mit vielen Ausnahmen, mehreren Systemen und sensiblen Daten. Ohne diese Angaben wäre ein Pauschalpreis nicht belastbar.

Eine erste Formel lautet: Kosten im ersten Jahr = Analyse + Konzeption + Umsetzung + Schnittstellen + Lizenzen + Test und Einführung + interner Aufwand + Betrieb. Für Folgejahre bleiben je nach Lösung Lizenzen, Überwachung, Support und Anpassungen. Jede Position sollte mit Annahmen und Verantwortlichkeiten ausgewiesen werden.

Phase 1: Prozess und Ausgangswert erfassen

Zuerst wird beschrieben, was heute tatsächlich geschieht. Wer löst den Prozess aus? Welche Angaben und Dokumente werden benötigt? Wer entscheidet? Welche Systeme sind beteiligt? Was passiert bei fehlenden Daten oder Abwesenheiten? Gespräche, Beobachtungen und eine Stichprobe realer Fälle machen ungeschriebene Regeln sichtbar.

Für die Kalkulation zählen Zahl der Schritte, Rollen, Varianten, Systeme und Fallzahlen. Varianten sind unterschiedliche Wege durch denselben Prozess, etwa Freigaben nach Betrag oder Abteilung. Sie können zusätzlichen Konzeptions- und Testaufwand verursachen, müssen aber anhand des konkreten Ablaufs bewertet werden. Ein klar abgegrenzter Prozess mit fachlicher Eigentümerschaft ist einfacher zu schätzen als ein bereichsübergreifender Ablauf mit offenen Zuständigkeiten.

Erfassen Sie auch den heutigen Aufwand: jährlicher manueller Aufwand = Fälle pro Jahr × durchschnittliche Bearbeitungszeit × interner Stundenansatz. Ergänzen Sie messbare Qualitätsprobleme wie Doppelerfassung, Rückfragen oder fehlende Angaben. Diese Ausgangswerte sind keine garantierte Einsparung, sondern eine Vergleichsbasis für spätere Messungen.

Phase 2: Zielprozess und Automationsgrenze festlegen

Im Zielprozess wird entschieden, welche Schritte automatisiert und welche bewusst durch Menschen ausgeführt werden. Ein System kann Angaben prüfen, einen Datensatz anlegen, eine zuständige Person benachrichtigen und nach einer Frist erinnern. Fachliche Ermessensentscheide sollten dagegen bei verantwortlichen Personen bleiben, wenn sie Kontext und Beurteilung verlangen.

Der Aufwand steigt mit Entscheidungsregeln, Eskalationen, Stellvertretungen und Fehlerwegen. Auch der manuelle Ersatzweg bei einer technischen Störung muss beschrieben werden. Die Beratung für Prozesse und Automation sollte deshalb Prozessgestaltung und technische Machbarkeit gemeinsam betrachten. Für die Auswahl eines geeigneten ersten Ablaufs bietet Power Automate im KMU: Prozesse, die sich lohnen zusätzliche Kriterien.

Phase 3: Plattform, Lizenzen und Schnittstellen prüfen

In dieser Phase wird festgelegt, welche Anwendungen Daten liefern oder empfangen. Ein Konnektor ist eine technische Verbindung zwischen einem Automationsdienst und einer Anwendung. Standardisierte Konnektoren sind häufig besser kalkulierbar als individuell entwickelte Schnittstellen. Ältere Fachanwendungen, uneinheitliche Schlüssel oder fehlende Programmierschnittstellen können Vorabklärungen und zusätzliche Entwicklung nötig machen.

Bei Power Automate hängen verfügbare Funktionen und Konnektoren vom konkreten Lizenzmodell ab. Prüfen Sie deshalb, welche Microsoft-365-Lizenzen vorhanden sind und welche zusätzlichen Rechte der geplante Ablauf benötigt. Berücksichtigen Sie technische Konten, Datenstandorte, Zugriffsrechte und Sicherheitsanforderungen. Produktbedingungen können sich ändern; die Prüfung gehört mit Datum und Annahmen in die Kalkulation.

Phase 4: Umsetzen und mit Varianten testen

Die technische Umsetzung umfasst Datenmodell, Formulare, Regeln, Benachrichtigungen, Protokollierung und gegebenenfalls Schnittstellen. Der Aufwand lässt sich als Summe kleiner Arbeitspakete schätzen. Standardfunktionen können günstiger zu warten sein als individuelle Oberflächen, sofern sie den fachlichen Bedarf erfüllen. Eine Sonderentwicklung sollte deshalb einen klar beschriebenen Nutzen haben.

Tests decken Normalfälle, bekannte Varianten und Fehlerfälle ab. Dazu können fehlende Pflichtangaben, abgelehnte Anträge, Stellvertretungen, Zeitüberschreitungen und unterbrochene Verbindungen gehören. Wie viele Tests nötig sind, hängt von Risiko und Komplexität ab. Bei finanziellen, personenbezogenen oder betriebskritischen Prozessen sind zusätzliche Prüfungen und dokumentierte Abnahmen einzuplanen.

Eine hilfreiche Formel lautet: Umsetzungsaufwand = Konfiguration oder Entwicklung + Schnittstellen + Testdaten + Testdurchführung + Fehlerkorrektur + Dokumentation. Ein Prototyp kann Unsicherheiten reduzieren, bevor der vollständige Prozess umgesetzt wird.

Phase 5: Einführung und Produktivsetzung

Mitarbeitende müssen erkennen, wie sie einen Vorgang starten, welchen Status er hat und was bei einem Fehler zu tun ist. Schulung, Kurzanleitungen, Kommunikation und Begleitung nach dem Start sind daher eigene Kostenfaktoren. Die Zahl der Nutzergruppen und Standorte beeinflusst den Umfang.

Für die Produktivsetzung werden Verantwortliche, Freigabe, Zeitpunkt und Rückfallplan festgelegt. Bei einer schrittweisen Einführung lässt sich zunächst eine begrenzte Gruppe begleiten. Ob dieses Vorgehen passt, hängt von Prozess und Abhängigkeiten ab. Planen Sie zudem Zeit für Rückmeldungen und kleinere Anpassungen nach den ersten realen Fällen ein.

Phase 6: Überwachen, betreiben und ändern

Produktive Automationen benötigen eine verantwortliche Stelle. Sie muss Fehlermeldungen erhalten, abgelaufene Verbindungen erkennen und Änderungen kontrollieren. Zur Kalkulation gehören Überwachung, Support, technische Konten, Dokumentation und regelmässige Überprüfung. Auch Anpassungen an Formularen, Zuständigkeiten oder verbundenen Anwendungen können Tests und eine neue Freigabe auslösen.

Definieren Sie Servicezeiten und Auswirkungen eines Ausfalls. Ein Prozess, der einmal pro Monat läuft, braucht möglicherweise eine andere Betreuung als ein täglich betriebsrelevanter Ablauf. Betriebskosten sollten deshalb nicht pauschal aus den Entwicklungskosten abgeleitet werden.

Welche Faktoren die Schätzung verändern

Für eine belastbare Kalkulation werden Arbeitspakete nach Rollen geschätzt: Projektkosten = Summe aus Stunden je Rolle × jeweiligem Stundenansatz + Lizenz- und Betriebskosten. Rollen können Prozessverantwortliche, Fachpersonen, technische Umsetzung, Sicherheit, Test und Projektleitung sein. Rechnen Sie interne Mitarbeit genauso ein wie externe Leistungen.

Aufwandstreiber sind häufig viele Entscheidungswege, unklare Daten, individuelle Schnittstellen, hohe Schutzanforderungen und fehlende Testmöglichkeiten. Günstiger kann ein Vorhaben werden, wenn der Prozess stabil, häufig, regelbasiert und fachlich klar verantwortet ist. Diese Faktoren sind keine Preislisten; sie helfen, Schätzbandbreiten und Risiken nachvollziehbar zu begründen.

Nicht jeder Prozess sollte automatisiert werden. Seltene, stark wechselnde Abläufe oder überwiegende Ermessensentscheide können mehr Pflege verursachen, als sie im Alltag entlasten. Auch offene Zuständigkeiten sollten zuerst organisatorisch geklärt werden. Manchmal genügen ein gemeinsames Formular, eine Checkliste oder eine klarere Arbeitsanweisung.

Eine gute Offerte trennt Muss-Funktionen, Optionen und laufende Leistungen. Sie nennt Annahmen zu Fallzahlen, Varianten, Lizenzen, Schnittstellen, Datenqualität, Mitwirkung und Abnahme. So sehen Sie, welche Position sich bei verändertem Umfang bewegt. Prozessautomatisierung wird damit nicht über erfundene Einsparungen oder Preise bewertet, sondern als überprüfbare Investition in einen konkret beschriebenen Arbeitsablauf.