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Power Automate im KMU: Zehn geeignete Prozesse

Zehn praxistaugliche Einsatzbereiche für Power Automate und ein Vorgehen für nachvollziehbare Abläufe.

Marc Bühler
Marc Bühler
Gründer und Geschäftsführer, Bühler IT Solutions GmbH

Nicht jeder Klick muss automatisiert werden

Eine wiederkehrende E-Mail wird jeden Morgen weitergeleitet, Angaben werden aus einer Liste kopiert und am Ende fragt jemand nach dem Status. Das sind gute Anzeichen für einen möglichen Flow in Power Automate. Automatisierung beschleunigt aber nur einen klaren Ablauf. Sind Ausnahmen, Daten oder Verantwortlichkeiten unklar, entsteht statt Erleichterung eine schwer verständliche technische Kopie.

Ein häufiges Beispiel ist die interne Bestellung: Informationen kommen per Mail, die Freigabe bleibt in einem Postfach liegen und die anfragende Person weiss nicht, ob bereits etwas bestellt wurde. Ein klarer digitaler Ablauf kann den Status sichtbar machen. Er löst aber nicht die Frage, wer bei einer Überschreitung des Budgets entscheidet. Diese Regel gehört vor die Automation.

Wo sich ein erster Flow oft lohnt

Geeignet sind Vorgänge mit erkennbarem Auslöser, klaren Eingaben und einem prüfbaren Ergebnis. Dazu zählen etwa:

  • Formularanfragen zentral erfassen und zuweisen
  • Ferien, Bestellungen oder Spesen nach Regeln freigeben
  • Fristen und fehlende Angaben gezielt erinnern
  • Projektordner aus einer geprüften Vorlage anlegen
  • genehmigte Dokumente kontrolliert ablegen

Auch Onboarding-Aufgaben, Prüfungen von Listen oder der Datenaustausch zwischen klar definierten Systemen können passen. Der Nutzen muss jedoch relevant sein: weniger Wartezeit, weniger Fehler oder bessere Nachvollziehbarkeit. Ein Flow soll einen sinnvollen Ablauf stärken, nicht ihn erst erfinden. Papierprozesse digitalisieren zeigt, wie ein solcher Startprozess ausgewählt wird.

Den Ablauf vor dem Flow beschreiben

Klären Sie zuerst, was auslöst, welche Daten zwingend vorliegen, wer entscheidet und woran der Abschluss erkennbar ist. Nehmen Sie Ablehnung, fehlende Angaben und Vertretung ausdrücklich dazu. Häufig liegt die wichtigste Verbesserung in einer klaren Eingabemaske oder Regel, nicht in einer komplexen Automation.

Starten Sie mit echten Daten und einer begrenzten Gruppe. Testen Sie den Idealweg ebenso wie falsche Eingaben, doppelte Auslösung und Abwesenheiten. Zu viele Benachrichtigungen werden ignoriert; jeder Hinweis braucht einen klaren Zweck. Definieren Sie zudem vor dem Start eine einfache Messgrösse, etwa die durchschnittliche Durchlaufzeit oder die Zahl fehlender Angaben. Ohne Vergleich bleibt der Nutzen schwer zu beurteilen.

Fachseite und IT teilen die Verantwortung

Eine fachlich verantwortliche Person entscheidet, ob eine Regel noch stimmt und welche Änderung nötig ist. Die IT verantwortet Plattform, Zugänge und Schutz, kann aber nicht beurteilen, ob eine Rechnung sachlich richtig freigegeben wurde. Dokumentieren Sie daher Zweck, Besitzer, Verbindungen, Berechtigungen und Fehlerweg. Bei unstrukturierten Tabellen ist zunächst eine Liste, ein Formular oder eine Power App häufig die bessere Basis.

Planen Sie auch, was bei einer Fehlermeldung geschieht. Muss die Fachseite einen Vorgang nachreichen, oder prüft zuerst die IT eine Verbindung? Ein gut dokumentierter Fehlerweg verhindert, dass ein kleiner Flow nach einem Personalwechsel ungenutzt bleibt. Prozesse und Automation bedeuten nicht, jeden Klick zu eliminieren. Ein guter Flow macht Status und Ausnahmen sichtbar, erfasst Daten einmal und bleibt für das Team verständlich.