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Papierprozesse digitalisieren: Von der Analyse bis zum ersten automatisierten Ablauf

Papierabläufe schrittweise digitalisieren: Einen geeigneten Startprozess auswählen und in den Alltag überführen.

Marc Bühler
Marc Bühler
Gründer und Geschäftsführer, Bühler IT Solutions GmbH

Papier loszuwerden ist noch keine Digitalisierung

Am Montag liegt ein unterschriebenes Formular im Eingang, am Dienstag sucht jemand die E-Mail mit der Freigabe und am Freitag fehlen Angaben für die Buchhaltung. Wird das Formular nur gescannt, wandert der Stapel in einen digitalen Ordner. Erst strukturierte Angaben, eindeutige Zuständigkeiten und ein nachvollziehbarer nächster Schritt machen daraus einen digitalen Ablauf.

Für KMU und Dienstleister lohnt sich der Einstieg dort, wo häufige Vorgänge Wartezeit, Übertragungsfehler oder Rückfragen auslösen, nicht zwingend dort, wo das längste Formular liegt. Eine wöchentliche Bestellfreigabe kann mehr Aufwand verursachen als ein umfangreicher Vertrag, der nur wenige Male pro Jahr bearbeitet wird.

Den Alltag beobachten, bevor ein Tool gewählt wird

Ein Spesenbeleg geht vielleicht an die Teamleitung, bei höheren Beträgen an die Geschäftsleitung und bei fehlenden Angaben zurück. Ferienvertretungen und Fristen gehören ebenso dazu. Beschreiben Sie einen konkreten Fall von Anfang bis Ende. Dabei sollten Sie mindestens festhalten:

  • was den Vorgang auslöst
  • welche Angaben zwingend sind
  • wer nach welcher Regel entscheidet
  • woran der Abschluss erkennbar ist

Ein klar verstandener Ablauf ist wertvoller als ein schnell gewähltes Tool. Gespräche mit den Personen, die täglich damit arbeiten, sind dafür oft wertvoller als eine theoretische Prozessgrafik. Fragen Sie auch, welche Umwege heute bereits genutzt werden. Wenn Mitarbeitende Informationen neben dem Formular per Mail oder Telefon nachreichen, fehlt dem Ablauf wahrscheinlich eine Regel oder ein Pflichtfeld.

Mit einem überschaubaren Pilot beginnen

Geeignet sind häufige, klar abgrenzbare und nicht existenzkritische Vorgänge, etwa Abwesenheiten, interne Bestellungen, standardisierte Anfragen oder Rechnungsprüfungen. Legen Sie vorher fest, was besser werden soll: weniger Rückfragen, kürzere Durchlaufzeit, weniger Übertragungen oder bessere Nachvollziehbarkeit. Power Automate im KMU hilft bei der Auswahl.

Vereinbaren Sie für den Pilot einen überschaubaren Zeitraum und schauen Sie nach einigen Wochen auf echte Fälle. Dauert eine Freigabe tatsächlich kürzer? Werden Angaben vollständiger erfasst? Gibt es neue Rückfragen? So erkennen Sie, ob eine scheinbar elegante Lösung im Alltag auch genutzt wird. Ein Prozess muss nicht vollständig automatisiert sein, um einen echten Fortschritt zu bringen.

Digitale Formulare können Pflichtfelder, Auswahllisten und Plausibilitätsprüfungen nutzen. Fragen Sie dennoch nur ab, was tatsächlich gebraucht wird. Für Entscheidungsregeln wie Betrag, Kostenstelle oder Projekt braucht es zudem einen klaren fachlichen Rahmen. Wo echtes Ermessen nötig ist, soll die Automation Informationen vorbereiten, nicht Verantwortung vortäuschen. Eine Liste, ein Formular oder eine Power App kann dafür die passende Grundlage sein.

Ausnahmen gehören von Anfang an dazu

Der Normalfall funktioniert meist schnell. Reibung entsteht bei fehlenden Angaben, Ablehnungen oder einer abwesenden zuständigen Person. Klären Sie deshalb, wer erinnert wird, wann eskaliert wird, wie Vertretungen übernehmen und weshalb eine Ausnahme sichtbar bleibt. Ein klar zugewiesener manueller Schritt ist dabei oft besser als eine scheinbar vollständige Automation, die beim ersten Sonderfall umgangen wird.

Nach dem Start braucht der Ablauf eine fachlich verantwortliche Person für Rückmeldungen und Regeln. Die IT oder ein Partner sorgt für die technische Stabilität, kennt aber nicht automatisch die Bedeutung jeder Freigabe. Prozesse und Automation verbinden beide Perspektiven. So wird aus einem kleinen Pilot eine belastbare Verbesserung statt einer digitalen Kopie des Papierstapels.