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Backup-Kosten für KMU: Speicher, Aufbewahrung, Tests und Wiederherstellung

Backup-Kosten hängen nicht nur von der Datenmenge ab. Datenquellen, Aufbewahrung, unveränderbare Kopien, Überwachung, Wiederherstellungstests und Wiederanlaufzeiten bestimmen das Budget.

Marc Bühler
Marc Bühler
Gründer und Geschäftsführer, Bühler IT Solutions GmbH

Backup-Kosten beginnen beim Wiederherstellungsziel

Die direkte Antwort: Datenquellen, Datenmenge und Wachstum, Aufbewahrungsdauer, Anzahl und Art der Kopien, Überwachung sowie Tests und Wiederherstellungen bestimmen die Kosten. Speicher ist nur eine Position. Ein Backup ist erst dann wirtschaftlich vergleichbar, wenn klar ist, welche Daten innerhalb welcher Zeit und bis zu welchem Stand wieder verfügbar sein müssen.

Beginnen Sie deshalb nicht mit einem Speicherkontingent, sondern mit zwei Zielen. Das Recovery Point Objective, kurz RPO, beschreibt den maximal vertretbaren Datenverlust in Zeit. Das Recovery Time Objective, kurz RTO, bezeichnet die angestrebte Dauer bis zur Wiederherstellung. Der Beitrag RTO und RPO für KMU zeigt, wie sich diese Werte aus konkreten Arbeitsabläufen ableiten lassen. Häufigere Sicherungen oder kürzere Wiederanlaufzeiten können zusätzliche Infrastruktur und mehr Betriebsaufwand erfordern.

Zuerst alle schützenswerten Datenquellen erfassen

Erstellen Sie eine Liste der Arbeitsorte Ihrer Daten. Dazu können Server, virtuelle Maschinen, Notebooks, Fachanwendungen, Datenbanken und Cloud-Dienste gehören. Auch E-Mail, gemeinsame Dateien und Unterhaltungen in Microsoft 365 brauchen eine bewusste Entscheidung. Die Verfügbarkeit eines Cloud-Dienstes ersetzt nicht automatisch ein eigenes Wiederherstellungskonzept.

Für jede Quelle halten Sie fest:

  • verantwortliche Stelle und geschäftliche Bedeutung
  • heutige Datenmenge und erwartetes Wachstum
  • RPO und RTO für den betroffenen Arbeitsablauf
  • geltende Aufbewahrungs- und Löschregeln
  • Abhängigkeiten zu Anwendungen, Konten und Schlüsseln

Je nach Lösung kann die Abrechnung pro Benutzerkonto, Gerät, Server, Anwendung, Sicherungslauf oder Speichermenge erfolgen. Lassen Sie die Einheit im Angebot ausweisen. Die Seite Backup und Wiederherstellung ordnet Schutzbedarf, Zuständigkeit und Wiederanlauf als zusammengehörige Aufgaben ein.

Datenwachstum, Versionen und Aufbewahrung kalkulieren

Die aktuelle Datenmenge ist nicht identisch mit der später gespeicherten Backup-Menge. Versionen, tägliche Änderungen, Komprimierung und Deduplizierung beeinflussen den Bedarf. Deduplizierung bedeutet, dass identische Datenblöcke erkannt und nicht mehrfach gespeichert werden. Wie stark dieses Verfahren den Speicherbedarf reduziert, hängt von Daten und Sicherungslösung ab. Ein System mit vielen sich ändernden grossen Dateien verhält sich anders als eine überwiegend statische Ablage.

Für die Planung hilft folgende Beziehung:

Speicherbedarf = Ausgangsdaten + aufbewahrte Änderungen und Versionen + Reserve für Wachstum

Der tatsächliche Faktor muss aus Messwerten oder einer nachvollziehbaren Annahme des Anbieters stammen. Prüfen Sie ausserdem, ob Datenübertragung, Abruf, Wiederherstellung an einen alternativen Ort und das Überschreiten eines Kontingents separat verrechnet werden.

Aufbewahrung sollte nicht pauschal möglichst lang gewählt werden. Lange Fristen erhöhen Speicherbedarf und können dem gewünschten Löschkonzept widersprechen. Legen Sie pro Datenklasse fest, wie weit zurück eine Wiederherstellung geschäftlich oder rechtlich nötig ist. Technische Aufbewahrung ist zudem nicht dasselbe wie eine rechtskonforme Archivierung.

Getrennte und unveränderbare Kopien einplanen

Ein Backup auf demselben System oder unter denselben weitreichenden Zugangsdaten schützt nur begrenzt gegen Defekt, Fehlbedienung und Angriffe. Die verbreitete Praxisregel 3-2-1-1-0 für Backups dient als Orientierung: mehrere Kopien, unterschiedliche Medien, eine externe und eine unveränderbare oder offline gehaltene Kopie sowie verifizierte Sicherungen ohne bekannte Fehler. Sie ist kein Ersatz für eine individuelle Risikoanalyse.

Jede zusätzliche Schutzebene kann Speicher, Übertragung, getrennte Konten und Betriebsarbeit erfordern. Ordnen Sie sie dem Risiko zu: Welche Folgen hätte es, wenn produktive Daten und eine direkt erreichbare Sicherung gleichzeitig betroffen wären? Für KMU und Dienstleister ist diese Priorisierung oft hilfreicher als ein identisches Schutzniveau für jede Datei.

Weshalb Tests einen eigenen Budgetposten brauchen

Ein grüner Status im Sicherungsprogramm beweist noch nicht, dass ein vollständiger Arbeitsablauf wiederhergestellt werden kann. Planen Sie automatische Prüfungen und regelmässige praktische Tests. Ein Test sollte festhalten, wer ihn ausführt, welches Szenario geprüft wird, wie lange die Wiederherstellung dauert und ob Anwendungen sowie Berechtigungen danach funktionieren.

Der Aufwand hängt vom Szenario ab. Eine einzelne Datei zurückzuholen ist etwas anderes als einen Server, eine Datenbank mit konsistentem Stand oder eine gesamte Cloud-Ablage wieder betriebsfähig zu machen. Klären Sie, welche Wiederherstellungen im laufenden Vertrag enthalten sind, welche nach Aufwand erfolgen und wer die fachliche Kontrolle übernimmt. Nur die zuständige Abteilung kann bestätigen, dass die richtigen Daten in einem brauchbaren Zustand vorliegen.

Beispielkalkulation mit Datenwachstum und vier Tests

Illustratives Rechenbeispiel: Ein KMU schützt drei Datenquellen mit zusammen 4 TB Ausgangsdaten. Für die Planung verwendet es eine intern begründete Wachstumsannahme, definiert unterschiedliche Aufbewahrungsregeln für operative Dateien und Langzeitstände und plant vier dokumentierte Wiederherstellungstests pro Jahr. Zusätzlich wird eine getrennte, unveränderbare Kopie verlangt.

Für jede Offerte trägt das Unternehmen ein: Einrichtung, Lizenzen für die drei Quellen, Speicherkosten über die Laufzeit mit dem angenommenen Wachstum, Überwachung und vier Tests pro Jahr. Separat werden die Konditionen für eine kleine Einzelwiederherstellung und einen umfassenden Wiederanlauf ausgewiesen. Die Mengen veranschaulichen nur die Berechnung; Tarife und technische Faktoren werden aus den jeweiligen Angeboten übernommen.

Eine zweite Rechnung mit stärkerem Datenwachstum zeigt, wie empfindlich die Gesamtkosten auf Änderungen reagieren. Gleichzeitig wird sichtbar, ob ein Angebot Tests, Datenabruf oder die unveränderbare Kopie nicht umfasst.

Ungeeignete Sparansätze und Grenzen

Mehr Aufbewahrung und mehr Kopien sind nicht automatisch besser. Sie erhöhen Komplexität, Kosten und den Bestand alter Daten. Häufige Sicherungen können Systeme und Verbindungen belasten. Eine sehr kurze Wiederanlaufzeit bleibt unrealistisch, wenn Fachanwendungen, Zugangsdaten oder Verantwortlichkeiten nicht dokumentiert sind.

Ungeeignet ist ein Backup-Konzept, wenn Sicherung und Produktion dieselben Risiken teilen, Warnungen niemanden erreichen oder nie wiederhergestellt wird. Auch eine Pauschale ohne klare Leistungsgrenzen ist kein belastbarer Vergleich. Legen Sie zuerst Daten, Ziele, Schutzebenen und Tests fest. Dann können Sie beurteilen, ob das Budget den tatsächlichen Wiederanlauf ermöglicht oder lediglich Speicherplatz finanziert. Dokumentieren Sie dabei die verwendeten Mengen, Wachstumsannahmen und Leistungsgrenzen, damit die Kalkulation bei späteren Änderungen nachvollziehbar aktualisiert werden kann.