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Server, Cloud oder Mischform: Welche Infrastruktur passt?

Infrastrukturmodelle anhand von Anwendungen, Daten, Betrieb und Risiken sachlich beurteilen.

Marc Bühler
Marc Bühler
Gründer und Geschäftsführer, Bühler IT Solutions GmbH

Infrastruktur nach Anwendung und Verantwortung wählen

Am Montagmorgen wartet die Buchhaltung auf eine Fachanwendung, während der Aussendienst schon in Microsoft 365 arbeitet und im Lager ein lokaler Scanner Daten liefert. In vielen KMU ist die Infrastruktur bereits gemischt. Entscheidend ist, welche Anwendung welche Umgebung braucht und wer sie im Alltag verantwortet.

Beginnen Sie mit Anwendungen und Datenflüssen, nicht mit Hardware. Halten Sie pro Anwendung insbesondere fest:

  • welche Daten sie verarbeitet und wer sie nutzt
  • wovon sie technisch abhängt
  • wie lange ein Ausfall tragbar ist

Eine CAD-Anwendung mit grossen Dateien stellt andere Anforderungen an Bandbreite und Reaktionszeit als ein webbasiertes CRM. Auch Identitäten, Druck, Dateifreigaben, VPN und Schnittstellen zu Lieferanten gehören auf diese Karte. Die Entscheidung gehört zur einzelnen Anwendung, nicht zu einem Schlagwort.

Ein konkreter Rundgang lohnt sich: Beobachten Sie, welche Unterlagen beim Wareneingang entstehen, ob eine Person im Homeoffice auf dieselben Daten zugreift und welche Meldung bei einem Ausfall zuerst beim Support landet. So werden Abhängigkeiten sichtbar, die in einer Inventarliste fehlen. Klären Sie auch, ob ein Arbeitsablauf vorübergehend mit Papier, einer lokalen Kopie oder einer anderen Anwendung weitergehen kann. Diese Frage verändert oft die Priorität einer Investition.

Cloud entlastet, Verantwortung bleibt

Cloud-Dienste können Rechenzentrum, Grundplattform und Teile der Wartung abnehmen. Zugriffsrechte, Mehrfaktor-Authentisierung, Geräteschutz, Lizenzierung, Konfiguration und die Sicherung eigener Inhalte bleiben jedoch beim Unternehmen oder einer klar beauftragten Stelle. Klären Sie daher, welche Daten exportiert oder gesichert werden können, wer einen Wiederanlauf auslöst und wie lange dieser dauern darf. Die Ziele für Wiederanlauf und akzeptierbaren Datenverlust sollten zu den Geschäftsprozessen passen, wie im Beitrag RTO und RPO für KMU erläutert.

Das zeigt sich etwa nach einem Fehlklick bei einer Freigabe: Die Plattform kann verfügbar sein, trotzdem darf ein falscher Empfänger keine vertrauliche Datei behalten. Legen Sie deshalb für wichtige Dienste fest, wer Berechtigungen regelmässig prüft, wo sich die Wiederherstellungsanleitung befindet und wer im Notfall entscheiden darf. Prüfen Sie dies nicht nur auf dem Papier, sondern an einer unkritischen Testdatei und mit einem Stellvertreterkonto.

Lokal und hybrid bewusst betreiben

Ein eigener Server kann sinnvoll sein, wenn eine Anwendung sehr kurze Reaktionszeiten benötigt, lokale Hardware anspricht oder grosse Datenmengen vor Ort verarbeitet. Colocation kann dabei eine Alternative zum Server im Abstellraum sein. Dafür müssen Lebenszyklus, Patches, Ersatzteile und Notbetrieb verbindlich organisiert sein. Infrastruktur und Hosting hilft, diesen Betrieb langfristig nachvollziehbar zu gestalten.

Eine Hybridumgebung braucht klare Grenzen für Bandbreite, Berechtigungen, Namensauflösung und Ausfallverhalten. Ein Beispiel ist die lokale Produktionsanwendung neben cloudbasierter Zusammenarbeit: Fällt die Internetleitung aus, muss das Team wissen, ob es weiter buchen, nur lesen oder gar nicht arbeiten kann. Statt eines Grossprojekts empfiehlt sich eine Roadmap mit überschaubaren Etappen, Tests und Rückfallweg. Die Checkliste zur Erneuerung der IT-Infrastruktur unterstützt dabei. Nach jeder Etappe sollten die betroffenen Mitarbeitenden bestätigen, dass Leistung, Zugriffe und Alltagsschritte wie erwartet funktionieren.